Mit 6 Hunden nach England …

…das war bis vor kurzem noch recht easy, aber mittlerweile braucht es Ausdauer.

Atomium in Brüssel

Dieses Jahr wollten wir wieder mal nach Cornwall – Gärten anschauen und unseren “European Garden Photo Award” in Kew Garden verleihen und natürlich dürfen alle Hunde mit. Alle bis auf unseren Paule, den wir 2 Tage vor unserer Abreise einschläfern lassen mussten, obwohl er so gerne noch mitgekommen wäre. Ganz plötzlich fiel er in sich zusammen und konnte sich nicht mehr bewegen. Die Woche zuvor war er noch wie ein Jungspund mit seinen Welpen im Park unterwegs, buddelte Löcher, fing Mäuse und rannte mit mir drei Mal am Tag zur neuen Baustelle für den Stihl Spiegelpavillon. Und dann war plötzlich Schluss.

Paule liebte Reisen – Kalifornien, Georgia, South Carolina, Alabama, Florida, Arizona, Texas, Mississippi, Louisiana, Oklahoma, Arkansas, Irland, England, Schottland, Portugal, Spanien, Frankreich, Belgien, Schweiz, Niederlande, Kroatien, Montenegro, Albanien, Herzegowina, Slowenien, Bulgarien, Ungarn, Polen, Griechenland, Dänemark, Norwegen – alles hat er in seinen fast 14 Jahren erschnuppert…

In Californien hätten wir wegen ihm und seinen vielen Hundefreundinnen fast das Flugzeug verpasst, er war als Pubertier am Strand unterwegs und wurde an einer Hotdogbude in den Dünen nach 3 Stunden Suche aufgegabelt, an der er mit einer schicken Pudeldame flirtete. Am Dennenloher Campingplatz wurde er regelmäßig mit “Würstchen” festgehalten, bis ich ihn mit dem Autoshuttle abholen kam. Eine Nacht hat er vor Jahren als Halbstarker im Tierheim Ansbach verbracht, als er von einer Dame am Schlossparkparkplatz in ihr Auto verfrachtet wurde, weil er aussah wie einer armer dreckiger Streuner. Aber er war im Garten buddeln gewesen und sein Halsband war so dreckig, daß man die Telefonnummer nicht mehr lesen konnte. Als ich endlich erreicht wurde, hatte das Tierheim schon zu und er musste eine Nacht dort longieren. Seitdem stieg er in keine fremden Autos mehr ein, aber immer gerne in unsere.

Unser Paule 21.3.2008 – 27.1.2022

Als er klein war, hieß er immer “Paule, der Faule”: Rumliegen, beim Kuchenbacken zugucken, Teig ausschlecken, fertige Käsekuchen probieren – das war lange Jahr seine Lieblingsbeschäftigung – deswegen ist er auch so alt geworden, meinen wir. Und er war freundlich zu jedem – an den Hundespieltagen war er unermüdlich unterwegs und schloss Bekanntschaften mit Zwei- und Vierbeinern.

Nun müssen also ohne unseren liebsten Paule, nach England. Auch als Ablenkung für uns und seine drei Kinder Enys, Lotte und Yodine, die er noch fast zwei Jahre erleben durfte und die alle zu ihm immer sehr, sehr lieb waren.

Lieseli, seit einem Monat unser Neuzugang, kommt aus einem bulgarischen Shelterund war das erste Mal auf Reisen. Die ersten zwei Jahre ihres Lebens hat sie auf einer kleinen überschaubaren Zwingerfläche verbracht. Den Park rund ums 1958 erbaute Atomium in Brüssel fand sie schon mal recht interessant und war – obwohl sehr ängstlich fremden Menschen gegenüber – extrem tapfer unterwegs.

Alle sieben vor dem Atomium in Brüssel, Zwischenstop nach Calais

Von Dennenlohe ist man in rund 8 Stunden in Calais, das geht also recht schnell und dank Coronareisebschränkungen sind die Straßen fast alle frei und es gibt nirgendwo Staus. Die Vorarbeiten für die Einreisemodalitäten nach England gehen auch noch, Online Testkit für den zweiten Tag in UK bestellen, 24 Stunden zuvor die Online Passenger Location Form (PLF) ausfüllen und mit Testkitnummer versehen, vom Tierarzt die Bandwurmbehandlung im Hundepass stempeln lassen und los gehts. Nicht zu vergessen bei Airbnb eines oder mehrere Häuser vorbestellen, nicht alle Engländer – wenngleich die meisten kein Problem damit haben – mögen 7 Hunde, auch wenn es jetzt nur noch 6 sind.

Dann aber die erste böse Überraschung – die Fährgesellschaft DFDS hat mal schnell beschlossen, ohne es mir oder ihren anderen Kunden mitzuteilen – nur noch 5 Hunde pro Auto (!) zu erlauben. Obwohl die EU ausdrücklich 5 Hunde pro Person erlaubt. Ok, das war dann ein Problem. Denn Personen ohne Autos werden auch nicht befördert, sonst hätte ich einfach einen Hunde als Passagier ohne Auto mitgenommen. Gut, daß 3 Stunden später in der Nacht noch die englische P&O Gesellschaft über den Kanal fährt, die hatten kein Problem mit 6 Hunden im Auto.

In Calais, am Hafen wartend, habe ich nun also Zeit alles aufzuschreiben – die vielfachen Kontrollen am Hafen: Zuerst DFDS Schalter für Onlinetickets – dort bitte erst mal weiter zum anderen Ticketschalter wegen den Hunden. Dann zum P&O Schalter, neuer Ticketkauf – Kontrolle der Menschen/Hundepässe, PLF, Covidcode. Dann 200m weiter am nächsten Ticketschalter – Ticketkontrolle, Menschen/Hundepässe, Chipkontrolle jedes Hundes (Uff, Lieseli hatte den richtigen Chip im Hals und auch auf der richtigen Seite), PLF-Form, Covidcode. Dann 150m weiter, Borderkontrolle Frankreich, Kofferraum öffnen, oh “une famille”, Bailey geht immer als Baby durch, Lieseli hat sich hinter Line versteckt, weil ihr drei fremde Männer rund ums Auto zu viel waren, Kofferraum zu. Dann 40m weiter, UK Borderkontrolle – Menschenpässe, Covidcode. 10 m weiter, Kofferraum auf – “oh 6 dogs, how nice, what breed is it?” Ein Sack Hundefutter raus, “oh no ist ok, please go on”, Kofferraum zu. Und jetzt drei Stunden warten auf die Fähre um 1.30 in der Nacht. Habe schon eine böse Beschwerdemail an DFDS geschrieben und um Erstattung gebeten. (Tip am Rande: P&O ist auch noch 80 Euro billiger für die Hin- und Rückfahrt)

Auf der Spur 1030 neben der Auffahrrampe – kein Schiff weit und breit zu sehen – gegenüber ein tolles neues Hafengebäude, alles dunkel, aber zumindest die Toiletten sind offen. Irgendwie war Reisen vor einigen Jahren noch viel lustiger… Aber dann aber morgen früh – keine Masken mehr, Osterglocken in Cornwall, Restaurants und Pubs offen, in die man einfach so gehen kann. Wie früher. Wenn man – wie ich – schon vor 2 Wochen reserviert hat! Sonst ist im Februar in Cornwall nämlich alles ausgebucht…

Und noch eine kurze Geschichte: 2002 waren wir auch mit den Kindern und Hunden auf dem Weg nach England, da wir die Zwillinge dort immer für einige Woche in die Schule gesteckt haben, damit sie nicht wie ihre Mutter immer 5er in Englisch bekommen. Wir hatten ein Fähre am späten Nachmittag gebucht und damals benötigten die 6 Hunde noch eine extra Tollwut-Titteruntersuchung, Bandwurm und Zeckenbehandlung. Unser damaliger Tierarzt hatte bei einem Hund vergessen, die Uhrzeit der Zeckenbehandlung im Hundepass zu notieren, die damals akkurat 24 Stunden vor Einreise zu erfolgen hatte. Die unerbittliche Checkpointdame ließ uns also nicht auf die Fähre, sondern wir mussten – damals noch sehr mühsam – im Hafenbüro per Fax eine Bestätigung vom Tierarzt in Unterschwaningen anfordern, die aber, weil die Praxis ja schon zu hatte, erst am nächsten Morgen ankam. Also übernachteten wir in Calais in einem netten kleinen Hotel am – übrigens wirklich tollen Strand. Am nächsten Morgen um 7 war alles leer am Hafen, wir wunderten uns, aber fuhren unverdrossen zum Schalter. Dort großes Chaos, unsere Fähre war am Vorabend mit anderen Schiffen kollidiert und im Kanal gesunken. Alle Passagiere konnten zwar gerettet werden, aber Hunde im Auto im Frachtraum? Ich denke nicht… Das Horrorszenario. Unser Tierarzt hat jahrzehntelang einen Schnaps bekommen, wenn er vorbeikam und wir fuhren damals einmalig durch den Eurostartunnel nach Dover.

A propos, in der Zwischenzeit habe ich zwei identische mails von DFDS bekommen, beides Umbuchungsbestätigungen für heute Nacht (?) statt der gewünschten Stornierung. Das wird noch spannend… ich halte Sie auf dem Laufenden. Gute Nacht.

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